Spieljochbahn Drama im zweiten Akt

Bereits im Vorfeld der gestrigen Bauverhandlung wurde im Dorf gemunkelt, es könnte Einsprüche geben, die den Bau der neuen Talstation eklatant verzögern würden. Das Worst-Case Szenario könnte nun tatsächlich eintreten.

Ein Lehrstück könnte diese Episode in der Spieljochbahn Reihe für einige außenstehende Beobachter werden, welch vielfältige Herausforderungen einem im Leben als Unternehmer laufend begegnen, und wie viel Improvisationstalent im Alltag oftmals gefordert ist.

Bereits vor der für gestern anberaumten Bauverhandlung (mit 117 geladenen Anrainern) wurde deutlich, in welcher Zwickmühle sich der eine und andere Fügener befindet. Tatsache ist, es hat gestern einen Einspruch gegeben. Somit gibt es vorerst keinen positiven Baubescheid, und der Bau der neuen Talstation wird aus heutiger Sicht mutmaßlich um rund vier Wochen verzögert.

Dass sich der örtliche Sportartikelhändler, der als direkter Nachbar nicht nur durch die zusätzliche Konkurrenz im Gebäude der Talstation, sondern vor allem durch das dazugehörige Verkehrskonzept benachteiligt sieht, und beträchtliche wirtschaftliche Einbußen befürchtet – ja sogar von einer existenziellen Bedrohung sei hier die Rede gewesen – ist sicherlich gut nachvollziehbar. Dass man mit einem formalen Einspruch am Konzept als Ganzes nicht mehr allzu viel verändern wird können, wird den Beteiligten vermutlich bereits im Vorfeld klar gewesen sein. Aus wirtschaftlicher Sicht ist es somit auch nur allzu verständlich, es – wie man umgangssprachlich so schön sagt – zumindest zu probieren.

Gerade die wirtschaftliche Sicht bringt die Betroffenen allerdings nun auch in diese Zwickmühle. Auch wenn vor einer positiven Bauverhandlung seitens des Liftbetreibers keine definitiven Zusagen getätigt werden können, was die Vergabe der Geschäftslokale betrifft, so wird im Dorf schon seit Monaten über die im Vorfeld geführten Sondierungsgespräche getuschelt. Sich hier mit einem derartigen Druckmittel wie der Erhebung eines Einspruchs selbst (erneut) ins Spiel zu bringen, wäre sicherlich keine stabile Basis für eine dauerhafte, und gut funktionierende Geschäftsbeziehung. Das kann man als Motiv also mehr oder weniger ausschließen.

Dass man als Unternehmer befürchtet, mit einer Zufahrt als Sackgasse abgespeist zu werden, und somit nicht nur die eigene wirtschaftliche Zukunft, sondern auch einige Arbeitsplätze in Gefahr sieht, ist hier wohl eher ausschlaggebend.

Was sind die Folgen?

Wie bereits oben erwähnt rechnen Experten aktuell mit einer rund vierwöchigen Bauverzögerung. Was für den einfachen Häuslbauer vielleicht marginal klingt, könnte hier rein theoretisch extreme Auswirkungen haben: im schlimmsten Fall wird der Bau der neuen Talstation nicht rechtzeitig fertig. Man darf an dieser Stelle nicht die Logistik vergessen, die hinter derartigen Großprojekten steht. Angefangen damit, dass Aufträge bereits vergeben wurden und auch Firmen eine entsprechende Planungssicherheit brauchen, spielen auch der Umfang des Projekts und weitere, innere und äußere Faktoren hier eine große Rolle.

Von den Verantwortlichen war indes heute zu vernehmen, dass man mit dem Abriss der jetzigen Talstation trotz allem wie geplant beginnen wolle. Sollte es – wider Erwarten – dennoch zu weiteren Schwierigkeiten bzw. Verzögerungen mit der Baugenehmigung kommen, besteht durchaus die Möglichkeit, dass es im nächsten Winter in Fügen keine Dorfbahn gibt, und die Gäste über die Geolsbahn ins Schigebiet Spieljoch aufsteigen müssen, oder alternativ auf Hochfügen und Hochzillertal bzw. andere umliegende Skigebiete ausweichen können.

 

Das Dilemma

Genau darin begründet sich auch die Zwickmühlen-Situation, was das Abwägen für und wider eines Einspruchs betrifft. Obwohl aus wirtschaftlicher Sicht absolut nachvollziehbar, zieht man sich durch die Inanspruchnahme eines solchen Rechtsmittels leicht den Unmut der Bevölkerung auf sich. Denn sollte Fügen im nächsten Winter tatsächlich ohne Dorfbahn dastehen, ist schon jetzt klar, auf wessen Schultern die Schuld dafür lasten wird.

Die Problematik an der ganzen Sache ist damit nicht nur, dass die Öffentlichkeit generell, und die Fügener Dorfbevölkerung im Besonderen, entsprechend entmutigt oder gar wütend sein wird. Vielmehr könnte sich durch diesen Schritt nun auch der Zorn der umliegenden Unternehmerfamilien und Hoteliers, aber auch anderer Wirtschaftstreibenden im Dorf (Stichwort Umwegrentabilität) auf die Familie des Sportartikelhändlers entladen. Und genau das ist das Dilemma: einerseits ist es jedermanns gutes Recht, seine eigenen Interessen in den Vordergrund zu stellen, und entsprechend zu handeln. In diesem konkreten Fall wird es jedoch schwierig, wenn der eigene Sohn und hier unmittelbar Betroffene, als Wirtschaftsbund Obmann die Interessen aller vertreten sollte, und auch als gewählter Gemeinderatsmandatar und Gemeindevorstand, vor allem die Interessen der Allgemeinheit im Auge behalten sollte.

 

Fazit

So viel sollte allen klar sein, mit dem Druck der Öffentlichkeit lässt sich vieles bewegen, oftmals können damit auch bestimmte Prozesse und Abläufe beschleunigt werden, wie der aufmerksame Leser am Beispiel des Spieljochbahn Verkaufs eindrucksvoll nachvollziehen kann. Dass eine vierwöchige Bauzeitverzögerung kein Weltuntergang ist, und sich eine mächtige Unternehmerfamilie wie die Schultz Gruppe dadurch sicherlich nicht an ihrem Fortkommen hindern lassen wird, werden wir hoffentlich alle in den nächsten Monaten bezeugen dürfen.

 

~ „Viel Lärm um nichts.“ ~  William Shakespeare.

 

 

 

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Ein Gedanke zu “Spieljochbahn Drama im zweiten Akt

  1. hattn se halt besser verhandeln miassn, de neuen Herrn Bürgermeister und VIze. Eh klar, dass wenn im Vertrag keine Betriebsgarantie drin is, dass sich der Heinz jetzt zurück lehnt und sagt, wenn nied alle zustimmen kann i nix bauen. Hauptsache die Kritiker immer schön öffentlich unter Druck setzen, das läuft in Kaltenbach auch nicht anders! Und am Spieljoch zieht er halt die andere Bahn vor, Schultz wird sich’s schon richten!

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