Hitzige Debatte über Finanzen der Erlebnistherme Zillertal

Ein Artikel mit dem Titel „Wurde die Therme Fügen ‚zu Tode gespart‘?“ (hier nachlesen) in der Tiroler Tageszeitung, hat im Dorf und auch über die Ortsgrenzen hinaus zu  intensiven Diskussionen zum Stand der Finanzen bei der Erlebnistherme Zillertal geführt.

Nachdem im vergangenen Dezember das zehnjährige Bestehen der Therme gefeiert wurde, sprach man einhellig vom Erfolgsprojekt Erlebnistherme Zillertal. Der zuvor erwähnte Bericht wirft ein anderes Licht auf den vermeintlichen Erfolg der Therme.

Viel wurde in den letzten Tagen auch abseits der lokalen Stammtische über diese Thematik diskutiert, oftmals auch sehr allgemein über die Qualität der journalistischen Berichterstattung und die nicht vorhandene Unparteilichkeit mancher JournalistIn, die sich bereits während des vergangenen Bürgermeisterwahlkampfs eindeutig positionierte.

Dem aufmerksamen Leser wird bei genauerer Lektüre des besagten Zeitungsartikels jedoch nicht entgangen sein, dass sowohl TVB-Obmann Ernst Erlebach, als auch der Fügener Ortschef Mainusch dem Projekt Therme eine gute, wirtschaftliche Verfassung attestieren.

Neue Geschäftsführung kann schuldenfrei übernehmen

Nachdem die bisherigen Geschäftsführer der Therme – Altbürgermeister Walter Höllwarth für die Gemeinde Fügen sowie Alt-TVB-Obmann Werner Kostenzer für den Tourismusverband – im Laufe des letzten Jahres das Zepter an die nächste Generation übergeben haben, könnte die Ausgangssituation für die neue Geschäftsführung wohl kaum besser sein.

Von den anfänglich rund 4,5 Mio. Euro Schulden der Erlebnistherme Zillertal wurde bereits das Gros getilgt. Die Restschulden (von 1,9 Mio. €, Stand 2016) sind deutlich geringer als die angesparten Rücklagen von aktuell rund 2,3 Mio. €.

Was ebenso die Behauptung eines möglichen ‚zu Tode sparens‘ der Therme widerlegt, ist die Tatsache, dass in den letzten Jahren 7,5 Mio. investiert wurde. Unter anderem wurde mit diesem Geld die zweite Erlebnisrutsche, zusätzliche Ruheräume im Saunabereich und das allseits beliebte Solebecken geschaffen. Auch Grundkäufe fallen in diesen Bereich des Budgets. Mittlerweile konnte das Areal bis zum angrenzenden Kreisverkehr angekauft werden, sodass zukünftigen Erweiterungsschüben rein räumlich nichts im Wege steht!

Selbstverständlich fallen nach zehnjährigem Betrieb auch diverse Instandhaltungsarbeiten und auszutauschende Verschleißteile an, die sich auf die laufenden Erhaltungskosten auswirken. Ebenso nichts beschönigt werden soll bei den durchaus günstigen Konditionen, was Fernwärme und Wasser betrifft. Hier hat die Erlebnistherme Zillertal definitiv von ihrer Gemeindenähe profitiert, ein rein privatwirtschaftlich betriebenes Unternehmen hätte hier mutmaßlich keine derartig günstigen Konditionen aushandeln können.

 

Zukunftspläne für die Erlebnistherme

Eine weitere, leicht widerlegbare Behauptung aus dem so hitzig diskutierten Zeitungsartikel ist, dass es bis dato keinerlei strategische Entwicklung zur Therme gäbe.

Bereits vor einigen Jahren wurden von der damaligen Gemeindeführung bei der Gemeindevollversammlung in der Fügener Hauptschule diverse Erweiterungsvisionen planlich vorgestellt. Die Verantwortlichen machten bereits damals ganz klar darauf aufmerksam, dass es bei einer Erweiterung der Therme nicht nur um eine Qualitätssteigerung, sondern darum gehe, Neukunden zu gewinnen. Aus diesem Grund auch der schon damals gesetzte Fokus auf die Themen Gesundheit und Wellness.

Konkrete Pläne bereits genehmigt

Interessantes Detail am Rande ist in diesem Zusammenhang, dass zwei fertige Pläne zum Teil sogar bereits bauverhandelt sind. Auch der Fügener Gemeinderat hat sich in den vergangenen Jahren bereits mehrfach mit dieser Thematik, sowie diversen Visionen und Planungen zu Erweiterungsmöglichkeiten auseinandergesetzt.

Bei den beiden erwähnten, bereits fertigen Plänen handelt es sich:

a) um den Anbau des Eingangbereiches mit  mehr Liegeflächen im Badbereich, sowie einem  Foyer mit integrierten Kassabereichen (für die Therme und das Freibad), außerdem auch noch ein kleines Besucher-Bistro

b) um eine Saunaerweiterung (Erlebnissaunen mit einem Fassungsvermögen von ca. 60 Personen) sowie Ruheräumen für Sauna-, als auch Thermenbesucher.

 

Berichterstattung bewusst gesteuert?

Eines jener Gerüchte, die sich in diesem Zusammenhang in den letzten Tagen am hartnäckigsten gehalten haben, ist jenes nach einer gezielten Berichterstattung, um etwaige zukünftige Fehler auf den Sparkurs der Vorgänger abschieben zu können. Auch im Text geht bereits klar hervor, dass man gar nicht anstrebt, die zukünftigen Investitionen so zu planen, dass in absehbarer Zeit bereits wieder schwarze Zahlen geschrieben werden können. Umso naheliegender erscheint es für außenstehende Beobachter, wenn böse Zungen hier behaupten, der Bericht sei ein Kalkül, um das bisher Erreichte schlecht zu reden, um im Anschluss zukünftige Fehler auf das vermeintliche Unvermögen der Vorgänger schieben zu können.

Konsequenzen

Nicht nur im Zusammenhang mit den Medienberichten zur Erlebnistherme Zillertal wird abermals deutlich, wie wichtig das persönliche Verhalten jeder/s Einzelnen ist, was den Medienkonsum anbelangt. Obwohl man von einer Qualitätszeitung natürlich objektive Berichterstattung erwarten könnte, darf man die individuelle Verantwortung nicht vollständig an JournalistInnen übertragen, und sollte Medienberichte stets selbst kritisch hinterfragen. Das Phänomen des kritiklosen Replizierens ist zwar vorwiegend in den sozialen Medien anzutreffen, doch vielleicht sind solche Berichte, die einen kleinen Aufschrei in der Bevölkerung auslösen, genauso wichtig für eine vielfältige, demokratische Medienkultur. Das Team FügenBlog sieht seinen Bildungsauftrag jedenfalls hiermit als erfüllt. 🙂

 

Kommentar Altbürgermeister Friedl Hanser (Uderns)

Nachstehend der Kommentar des langjährigen Uderner Bürgermeisters Friedl Hanser in der Tiroler Tageszeitung (Printausgabe vom 16.01.2017, Seite 12) im Originalwortlaut:

Wie es scheint, können Medien, hier im Besonderen die Printmedien, ihre Berichte nur mit Negativschlagzeilen an den Leser bringen. So zum Beispiel der Bericht „Wurde die Therme Fügen zu Tode gespart“. Die Therme Fügen ist im Auge des objektiven Betrachters ein Paradebeispiel dafür, wie ein öffentlicher Wellness-Betrieb erfolgreich geführt werden kann. Nachdem aus dem gegenständlichen Bericht hervorgeht, dass in den zehn Betriebsjahren rund sieben Millionen Euro in die Therme investiert wurden, zudem große Kreditrückzahlungen erfolgt sind und darüber hinaus noch 2,2 Millionen Euro an Rücklagen vorhanden sind –, kann doch niemand seriös behaupten, dass die Therme in Fügen zu Tode gespart wurde. Auch die Umweg-Rentabilität der Therme in Sachen Tourismus schlägt wohl mehr als positiv zu Buche. Für den informierten Leser erscheint es dann so, dass man hier den bisher verantwortlichen Funktionären der Erlebnistherme den großen Erfolg nicht gönnt. Und da scheint eine negative Schlagzeile – wohlweislich mit einem Fragezeichen versehen – gerade das richtige Mittel zu sein. Überhaupt: Wenn man die Medienarbeit der letzten Jahrzehnte verfolgt hat, kann man mit Fug und Recht annehmen, dass sehr viel ehrliche politische Arbeit einfach mit Negativschlagzeilen heruntergemacht wurde. Da ist fast kein Medium auszunehmen. Wenn man sich die heutige politische Landschaft vor Augen führt, hat man den Lesern und Hörern mit Erfolg suggeriert, dass fast alles falsch war, was bisher gemacht wurde. Deshalb muss sich auch niemand wirklich wundern, dass die ewig Gestrigen immer mehr an Einfluss gewinnen, obwohl sie kaum brauchbare Rezepte für Gesellschaft und Wirtschaft vorzuweisen haben. Friedl Hanser 6271 Uderns © 2017 Tiroler Tageszeitung

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