TVB Wahlen lassen die Wogen hochgehen

Bei der für morgen, den 13. Dezember, anberaumten Vollversammlung des Tourismusverbandes erste Ferienregion wird der Aufsichtsrat neu gewählt. Die anschließende Obmannwahl könnte mit einem Knalleffekt enden.

Als ‚arbeitsintensiv und ereignisreich‘ könnte man die letzten Jahre im Tourismusverband (TVB) erste Ferienregion beschreiben. Ereignisreich nicht zuletzt durch die vor rund drei Jahren bekanntgewordene ‚Millionen-Affäre‘ im TVB, bei der eine langjährige Mitarbeiterin aus der Buchhaltung u.a. zur Tilgung von Schulden ihres Mannes in etwa eine Million Euro, zum Nachteil des TVB, veruntreut hatte.

Nicht weniger erfolgreich ist allen Vorkommnissen zum Trotz die Bilanz, welche die Verantwortlichen beim TVB ziehen können. Denn sowohl Nächtigungszahlen, als auch der Besucherzustrom bei diversen Veranstaltungen sind höchst erfreulich. Die Marke Zillertal ist in aller Munde! Wovon letztendlich auch die vielen UnternehmerInnen in der ersten Ferienregion profitieren – vom kleinen Privatzimmervermieter bis zum großen Möbelhändler oder Seilbahnunternehmer.

Bei der morgigen Vollversammlung in der Fügener Festhalle werden die Weichen für die kommenden fünf Jahre gestellt. Insgesamt sind 12 Gemeinden (von Strass bis Aschau) im TVB erste Ferienregion zusammengefasst. Die Mitglieder des Tourismusverbandes wählen in drei unterschiedlichen Stimmgruppen (aufgeteilt nach Beitragsstärke) jeweils 4 Personen in den Aufsichtsrat (dh. insgesamt 12 Personen). Dieser wiederum wählt dann den Obmann bzw. die Obfrau, und seine/ihre beiden StellvertreterInnen. Diese sind dann der gewählte Vorstand, wobei es in den vergangenen Jahren üblich war, hier 3 weitere Personen hinzu zu kooptieren, um eine flächendeckende Vertretung der TVB-Mitglieder besser gewährleisten zu können. Die drei kooptierten Personen können zwar lediglich den Meinungsbildungsprozess beeinflussen, besitzen also kein formales Stimmrecht – was sich bis dato allerdings in der Praxis kaum als hinderlich erweist, da Beschlüsse ohnehin immer einstimmig gefällt wurden.

Neue Spielregeln für die TVB Wahl

Bei der diesjährigen Aufsichtsratswahl gibt es ein nicht unbedeutendes Novum, was die Wahlrechtausübung anbelangt: so konnten TVB-Mitglieder bereits ab eine Woche vor der Wahl, also seit letztem Dienstag, ihre Stimme im TVB-Büro abgeben. Die bisher gängige Praxis der Stimmabgabe per Vollmacht wurde zu Gunsten der ‚Briefwahl‘ abgeschafft.

Obwohl zum jetzigen Zeitpunkt noch keine genauen Zahlen zur Vorab-Wahlbeteiligung zu erfragen waren, kann es durchaus sein, dass sich der Ansturm bei der morgigen Veranstaltung in Grenzen hält. Bei der letzten Wahl 2011 waren neben den Bürgermeistern und vielen GemeinderätInnen aus den zwölf Gemeinden rund 400 Gäste zur Vollversammlung erschienen. Der neu geschaffene Wahlmechanismus könnte diese Besucherzahl heuer relativieren.

Wahlkampf und KandidatInnen

Viel interessanter als der Wahlmechanismus an sich sind natürlich die jeweiligen KandidatInnen. Nachdem bereits im Sommer erste potenzielle Kandidaten und Listen publik wurden, war der Aufschrei in der hiesigen Gastronomie und Hotellerie groß. Einige befürchteten sogar, die Verhältnisse aus dem vergangenen Fügener Gemeinderatswahlkampf könnten sich vor der TVB-Wahl wiederholen. Das hat sich allerdings nicht bewahrheitet, bzw. keinesfalls im damaligen Ausmaß. Zwei Dinge sind in diesem Zusammenhang aber auch für Außenstehende interessant:

in der finanzkräftigsten Stimmgruppe (1) hat sich rund um einen Fügener Installateur eine Wahlbewegung zusammengetan, die in ihrer ‚Wahlkampfstrategie‘ sehr stark an die Bürgermeisterwahl anknüpft, die Fügener Bevölkerung lediglich mit einer weiteren Plakatwelle verschont hat. Für Heinz Binder, der sich zuvor bereits vergeblich um die Aufnahme als TVB-Mitglied bemüht hatte, und dem durch eine berufliche ‚Beförderung‘ nunmehr auch das passive Wahlrecht zusteht, schien der Obmannposten kurzzeitig in greifbarer Nähe. Bis die Stimmung im Dorf nach anhaltender Negativkampagne letztlich kippte, und sich diese Liste nun wohl ’nur‘ noch um Aufsichtsratsposten bemüht.

Auch in der Stimmgruppe drei, in der hauptsächlich kleine und mittlere Betriebe, beispielsweise private Zimmervermieter vertreten sind, sorgten zwei der drei antretenden Listen mit der Nutzung von sozialen Medien für im wahrsten Sinne des Wortes ‚frischen Wind‘ im Wahlk(r)ampf. Während sich Walter Koidl mit TVB-erfahrenen Zillertalern und jungen Touristikern, wie Stefan Kofler, Christian Heim und einem, weit über die Grenzen Hochfügens hinaus, bekannten Fernsehkoch eine solide Liste zusammenstellen konnte, wollte Newcomerin Gabi Schiestl das Feld quasi von hinten aufrollen. Nach dem gescheiterten Versuch, sie in der Gemeinde Fügen als Ombudsfrau zu installieren, eine weitere Möglichkeit, um in der Lokalpolitik eine Rolle spielen zu können. Obwohl Schiestl lt. eigenen Angaben lediglich für den Aufsichtsrat kandidiere, und in Bezug auf den TVB keine weiteren Ambitionen hätte, wurde sie in Insiderkreisen zuletzt als potenzielle Obfrau-Kandidatin gehandelt. Als neo-Golflehrerin könnte ihr nicht zuletzt die Nähe zu einer einflussreichen Seilbahnunternehmerfamilie die entscheidende Unterstützung einbringen.

Neben der üblichen Stimmungsmache und Kampagnisierung darf man aber vor allem eines nicht vergessen: in den vergangenen Jahren wurde seitens der TVB-Führung, sowohl dem Vorstand und den Aufsichtsräten, sehr gute Arbeit geleistet – und diese soll nun fortgesetzt werden. TVB-Obmann Ernst Erlebach sei nach eigenen Angaben dazu bereit, und würde sich erneut als Obmann des Tourismusverbandes Erste Ferienregion zur Verfügung stellen. In seiner Stimmgruppe (2), gibt es keine konkurrierende Liste, ein weiteres Indiz dafür, dass die Mitglieder mit der geleisteten Arbeit durchaus zufrieden sind und sich eine Fortsetzung wünschen.

Neben all den mutigen Veränderern in Fügen ist gerade für den Posten als Obmann/Obfrau, aber auch als Vorstand bzw. AufsichtsratIn sowohl Zeit, Kompetenz und vor allem Erfahrung im Tourismus wichtig. Wenig verwunderlich ist es daher, wenn in illustrer Runde und an so manchem Stammtisch die touristische Kompetenz von Installateuren und Masseurinnen angezweifelt wird.

Ob in der ersten Ferienregion alles beim Alten bleibt, oder der morgige Abend mit einem Knalleffekt in der TVB-Führungsriege endet wird sich zeigen. Noch sind die Würfel nicht gefallen, in diesem Sinne der Aufruf an alle TVB-Mitglieder: geht’s wählen!

2016-12-12-2

 

 

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3 Gedanken zu “TVB Wahlen lassen die Wogen hochgehen

  1. Ich möchte mich als Bezirksobfrau (und das seit 10 Jahren) der Privatvermieter Tirols zu Ihrem Artikel TVB Wahl in Fügen äußern.
    Auf meine Initiative kam die Vermieterakademie ins Tal, von der jetzt alle profitieren.
    Ich selbst absolvierte diese schon im Jahre 2002. Damals noch als Lehrgang der über ein Jahr ging, und mit einer Prüfung vor einer Fachjury endete.
    Vermieterin bin ich seit 40 Jahren, deshalb maße ich mir auch an, etwas vom Tourismus zu verstehen.
    Bis selber seit der letzten Wahl Mitglied im Aufsichtsrat des TVB Fügen.
    Unsere Liste besteht zum Großteil aus touristisch fachkompetenten Personen.
    Dass auf dieser Liste auch Leute aus anderen Gewerben vertreten sind, ist wichtig, da wir ja ein Miteinander wollen. Allen Klein- und Mittelbetrieben sowie den Privatvermietern steht es zu, sich einzubringen.
    Ich finde es auch ziemlich anmaßend, Personen, die nicht unmittelbar mit Zimmervermietung zu tun haben, die Kompetenz im Aufsichtsrat des TVB mitzuarbeiten, abzusprechen.
    In diesem Sinne – Liste C wählen, ist eine gute Wahl!!!

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    1. Hallo Maria! Vielen Dank für dein Feedback! Freut uns zu hören, dass unsere Berichterstattung von der Leserschaft stets aufmerksam verfolgt wird. Auch wenn eure Listenvorsitzende unsere Interviewanfragen abgelehnt hat, scheint das Interesse ungebrochen.
      Dennoch möchte ich an dieser Stelle nochmals darauf hinweisen, dass im obigen Artikel nicht die persönliche Meinung eines Mitglieds des Team FügenBlog wiedergegeben wird, sondern – wie auch explizit erwähnt – lediglich die Meinung einer nicht repräsentativen Bevölkerungsgruppe abgebildet wurde! Vielen Dank für dein Engagement und deinen Einsatz in der Region!! Und danke für dein Interesse an unserem Blog! LG, Admin

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  2. Danke für die Info!

    Ich mag eure Mitteilungen sehr gerne lesen, vor allem deshalb, weil es immer allerhand „Hintergrundinfo“ gibt, die man als „normaler Bürger“ nirgends erfährt. Nochmals danke!

    Lg. Anna Fiechtl

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