Umfahrung Fügen – eine unendliche Geschichte

Mit der ersten Anrainerversammlung und der damit verbundenen – abermaligen – Neuauflage der Straßenthematik an der B169 um Fügen geht die mittlerweile bereits Jahrzehnte andauernde Diskussion in die nächste Runde. Private Hausbesitzer und Betriebe vertreten höchst unterschiedliche Standpunkte. Wo sich die einen eine spürbare Entlastung wünschen, pochen die anderen auf Frequenzen für ihre Betriebe. Jungbürgermeister Mainusch will eine „ergebnisoffene Diskussion“ und stieß damit auf ungeplanten, innerparteilichen Wiederstand. Eine Bestandsaufnahme:

In der zweiteiligen FügenBlog-Reportage (hier zum Teil 1, und hier Teil 2 nachlesen) haben wir bereits ausführlich über die – bis dato – zur Diskussion stehenden Varianten berichtet.

Laut Auskunft von Straßenplaner Christian Molzer, stieg der Verkehr im vorderen Zillertal in den letzten zehn Jahren um 20 Prozent (mit Spitzen von bis zu 30.000 Fahrzeugen am Tag). Die wichtigsten Parameter für die neue Trasse seien der Knoten Fügen-Nord, die Anbindung Hart, Entschärfungen von Eisenbahn- und Fußgängerkreuzungen sowie Lärmschutz. (siehe dazu Artikel in der Tiroler Tageszeitung)

Bei der Gemeinderatssitzung in der vorigen Woche wurde überraschend verkündet, dass das Land Tirol mit wiko prevent|k nun einen weiteren Partner in Punkto Verkehrslösung mit ins Boot geholt hat, wobei durch diese Kommunikationsberater vor allem die Entscheidungsfindung erleichtert, und eine von allen Seiten akzeptierte Kompromisslösung herbeigeführt werden soll. Die Kosten für dieses Engagement wurden mit rund 50.000 € beziffert, wobei hier das Land Tirol 90% trägt, und die Gemeinde 10% der Gesamtkosten zuschießen muss. Vor allem die beiden alteingesessenen Gemeinderäte Alois Huber und Manfred Zeller zeigten sich überrascht, von diesem plötzlich auftretenden Kostenpunkt.

Von Seiten des Landes wird bezüglich einer Lösung der Verkehrsproblematik um Fügen nun abermals Druck auf den Fügener Bürgermeister ausgeübt, LH-Stv. Josef Geisler wolle bis Mitte 2017 konkrete Daten auf dem Tisch haben. Generell, so der politische Tenor, sei eine Abwicklung des Verkehrskonzeptes für Fügen noch vor der nächsten Landtagswahl, die ja bereits für Ende 2017/ Anfang 2018 ansteht, von höchster Priorität! Hierbei lastet enormer Druck auf Bürgermeister Mainusch, der nicht nur als heißer Anwärter für einen vorderen Listenplatz bei der nächsten Landtagswahl gilt, sondern nach seinem Wahlkampf bei zahlreichen FügenerInnen im Wort ist.

Der Status Quo

Bürgermeister Mainusch, Vizebürgermeister Anker und Unternehmer Martin Wetscher favorisieren lt. eigenen Stellungnahmen allesamt eine Trassenverlegung östlich des Ziller. (vgl. B169 Teil 2 – Sichtweisen und Stellungnahmen). Letztgenannter betonte im Zusammenhang mit den in den vergangenen Jahren diskutierten Lösungen, dass für die an der B169 ansässigen Betriebe vor allem die Sichtbarkeit und Zugänglichkeit gegeben sein müssen. Ein unabdingbares Kriterium, bestätigt auch der kürzlich gewählte Schwazer Wirtschaftsbundobmann und Gastronom (GH Post in Strass), Alois Rainer. Für ihn sei klar, dass die Wirtschaftstreibenden eine Alternativlösung einfordern, und eine Trassenverlegung für die meisten Betriebe nicht die erste Wahl sei. „Die Straßenverlegung durch den Bau des Brettfalltunnels hat sich vor allem anfangs wirtschaftlich spürbar negativ ausgewirkt“, so der WB-Obmann. Aus dessen gastronomischer Sicht haben sich die anfänglichen Einbußen bei der Laufkundschaft nur durch eine Neupositionierung seines Unternehmens, mit einem klaren Bekenntnis zur Regionalität, überwinden lassen. Als Touristiker sieht Rainer die Straßenverlegung im Nachhinein nun sogar als Vorteil, Zimmer an der Straßenseite ließen sich nun wieder vermieten, außerdem gebe es eine spürbare Entlastung für die Anrainer in punkto Lärmbelästigung und Luftqualität.

Der Verkehr wird nicht weniger, Fügen muss etwas tun!

Dass über kurz oder lang eine Lösung für die Verkehrsproblematik her wird müssen, steht für Alois Rainer außer Frage. Die Verantwortlichen seien hier gefordert, größtmögliche Einigkeit zwischen den Fügener UnternehmerInnen und den betroffenen Anrainern herzustellen.

Einen direkten Vergleich zwischen Strass und Fügen will Rainer jedoch nicht wagen, seien hier die situationsbedingten und geografischen Unterschiede einfach zu groß.

Dass der Ort Strass, wie ursprünglich von den Gegnern der Trassenverlegung befürchtet, ausstirbt, lässt sich bei einem Lokalaugenschein leicht wiederlegen.

 

Wie geht es in Fügen weiter?

Lt. Bgm. Mainusch wird es im Zuge dieses neu aufgesetzten Beteiligungsprozesses zu rund 10 Sitzungen, in welchen man ein Konzept zur Umfahrung Fügen erarbeiten will, kommen.

Aus den unmittelbar betroffenen Anrainern und Grundstückseigentümern hat sich am vergangenen Montag ein Konsortium gebildet, die übrige Dorfbevölkerung soll später im Rahmen zweier Groß-Workshops bzw. der Bürgerversammlung in die Lösungsfindung mit eingebunden werden.

 

„Diese Sitzungen und Analysen zum Status Quo, insbesondere zur Erarbeitung von Zielen und eines Kriterienkataloges setzen sich bereits am 29.9.2016 und am 20.10.2016 fort. Bei einer ersten Bürgerversammlung im November 2016 und einer weiteren am 15.12.2016 werden dann die erarbeiteten Kriterien und Ergänzungen der Bevölkerung präsentiert.

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Dieser Prozess zur Trassenfindung wird weiter mit einem Planungsworkshop im Februar 2017 fortgesetzt und in einer Sitzung der Arbeitsgemeinschaft im März 2017 konkretisiert. Eine zweite Bürgerinformation werde es im Mai 2017 geben, in welcher dann die erarbeiteten Varianten vorgestellt und eine Finalisierung mittels Gemeinderatsbeschluss herbeigeführt werden soll.“, erläutert Franz Haun im Bezirksblatt.

 

Harrsche Kritik an Mainuschs Bürgerbeteiligungsprozess

Nachdem Anfang der Woche bekannt wurde, dass Fügens Bgm. Mainusch einen ‚ergebnissoffenen Dialog‘ führen wolle, regte sich unter seinen Amtskollegen, aber auch in der Landespolitik sofort Kritik.

So äußerte sich bspw. der Rieder Bürgermeister und Planungsverbandsobmann, Hansjörg Jäger, gegenüber der Tiroler Tageszeitung wie folgt:

„Seit 2004 diskutieren die Fügener über die Verkehrslösung. Die Bürger waren immer eingebunden. Wir verlieren so mindestens ein weiteres Jahr. Das ist eine Pflanzerei“, wettert der Rieder Bürgermeister Jäger und fürchtet, dass unter dem Deckmantel des Bürgerbeteiligungsprozesses die Straßenlösung bis nach den nächsten Landtagswahlen 2018 verschleppt werden soll. „Da kann sich das Land wieder Geld sparen und andere Projekte verwirklichen, während das Zillertal auf der Strecke bleibt“, meint Jäger.

Bei der bis dato letzten Fügener Bürgerversammlung im November 2015 – damals noch unter Bgm. Walter Höllwarth – standen alle Zeichen auf eine Unterflurlösung, die aus Gründen der Sichtbarkeit für die Betriebe nur teilweise abgesenkt sein sollte.
„Das derzeit wohl größte Bauvorhaben in infrastruktureller Hinsicht, nämlich die Umfahrung Fügen oder die Unterflurtrasse mit einer Anbindung zur Gemeinde Hart konnte noch nicht verwirklicht werden. Der Bürgermeister verwies auf mehrere, jahrelang im Gemeinderat diskutierte Varianten, sowie auf die im Laufe des Jahres 2015 mehrheitlich im Gemeinderat beschlossene Variante, nämlich die Verwirklichung einer Unterflurtrasse und betonte, dass man nunmehr vom Land Tirol eine Lösung erwarte. LH Günther Platter und LR Josef Geisler hätten sich persönlich in dieser Angelegenheit sehr engagiert, wie der Bürgermeister betonte.“ (Bezirksblatt Schwaz)

Der von Mainusch favorisierten Variante eines Trassentauschs, und der Verlegung der Zillertalbundesstraße angrenzend an das Naherholungsgebiet östlich des Ziller erteilte LHStv. Josef Geisler eine Absage, würde dies lediglich zu einer zweifachen Staubelastung im vorderen Zillertal führen. (vgl. TT)

Nach Planungsverbandobmann Jäger, äußerte sich gestern auch der Nachbarbürgermeister, Alois Eberharter aus Hart, zum neu aufgelegten Konzepterstellungsverfahren: „Ich halte nichts davon. Die Gemeinde Fügen muss endlich mal abwägen, was das Beste für sie ist. Bei 100 Beteiligten gibt es immer 100 Meinungen – alle auf einen Nenner zu bringen ist unmöglich“, meint BM Alois Eberharter. (aus: Tiroler Tageszeitung)

 

 

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