Spieljochbahn – a never ending Story …

Alle Zeichen stehen auf einen Verkauf der Bahn am Fügener Hausberg. Nach einem einstimmigen Beschluss des Fügener Gemeindevorstands hat sich bereits ein Verhandlungsteam für den Verkauf der Spieljochbahn gebildet. Die Stimmung unter Fügen’s Wirtschaftstreibenden ist ebenfalls deutlich positiv – für einen Verkauf der Spieljochbahn.

Bei der Sitzung des Gemeindevorstands am vergangenen Mittwoch wurden endgültig die Weichen für das weitere Vorgehen der Gemeinde in punkto Spieljochbahn gestellt: an einem Verkauf führt nunmehr wohl kaum noch ein Weg vorbei.

Endgültig besiegelt werden können, wird ein Verkauf erst in den nächsten Wochen bzw. Monaten. Doch bereits bei der Gemeinderatssitzung am nächsten Mittwoch könnten die Fügener VolksvertreterInnen diesbezüglich eine Grundsatzentscheidung treffen.

 

Die Vorgeschichte

Was von großen Teilen der Fügener Bevölkerung bereits seit Jahren als die einzig wirkliche Alternative gesehen wurde, scheint nun tatsächlich Realität zu werden – der Verkauf der Spieljochbahn an erfahrene Seilbahnerhände.

Heinz Schultz hat bereits vor einigen Wochen sein deutliches Interesse an einer Übernahme der Spieljochbahn klar und offen kommuniziert. Ebenfalls sei er bereit, bis zu 70 Millionen Euro zu investieren. (siehe Bericht im FügenBlog „Zusammenschluss der Schigebiete Spieljoch und Hochzillertal realistischer denn je“)
Der Zubringer, also die Gondel von der Talstation in Fügen zur Bergstation Spieljoch würde demnächst ausgetauscht werden, sowie deren Kapazität erweitert. Ähnliches gilt für den mittlerweile deutlich in die Jahre gekommenen 3er Sessellift am Joch. Das Highlight der Schultz-Pläne ist aber sicherlich der Zusammenschluss der beiden Schigebiete Spieljoch und Hochzillertal mithilfe einer spektakulären 3 S Umlaufbahn, ausgehend von der Bergstation Onkeljoch.

Dass Schultz mit seiner Forderung nach Kühltürmen beim neuen Speicherteich, für eine sichere und authentische Beschneiung, bei der Generalversammlung der Spieljochbahn viel Aufsehen erregte, zeugt einerseits von Kalkül und wirtschaftspolitischem Verhandlungsgeschick von Heinz Schultz, andererseits aber auch von seinem deutlichen Interesse an der Bahn, und seinem realistischen und doch äußerst innovativem Zukunftsblick. (vgl. FügenBlog Bericht zum Thema Kühltürme)

Neben dem deutlichen Votum des Fügener Gemeindevorstands diese Woche, scheint auch die Stimmung unter den Verantwortlichen im TVB mittlerweile eindeutig für einen Verkauf der Spieljochbahn zu sprechen. TVB-Chef Ernst Erlebach forderte im Interview mit der TT in Bezug auf den Verkauf der Spieljochbahn eine öffentliche Ausschreibung.

Ebenfalls deutlich positiv war die Stimmung bei der gestrigen Diskussionveranstaltung von Wirtschaftstreibenden zum Thema Spieljochbahn, initiiert vom Wirtschaftsbund Fügen und deren Obmann, Gemeindevorstand, Mitglied des Verwaltungsrats der Spieljochbahn (siehe „Personelle Neuerungen bei der Spieljochbahn“) und Unternehmer Roland Unterlercher.

Was spricht für einen Verkauf der Spieljochbahn

Bei ebendieser Sitzung fand Neo-Bürgermeister Mainusch erstmals sehr klare Worte, hinsichtlich eines etwaigen Verkaufs der Bahn. So forderte er die Anwesenden dazu auf, Emotionen und persönliche Befindlichkeiten außen vor zu lassen, und sich auf das Wohl unseres Ortes zu konzentrieren. Der wichtigste Fokus sei es nun, den Wirtschaftsstandort Fügen zu stärken. Auch wenn in der Vergangenheit definitiv entsprechende Bemühungen vorhanden waren, sei es nicht Aufgabe der Gemeinde, eine Bahn zu betreiben. Er persönlich wolle sich außerdem hauptsächlich auf seine Aufgaben als Ortschef konzentrieren, was alles für einen Verkauf der Spieljochbahn spreche.

Ähnlich sah das auch das Gros der anwesenden UnternehmerInnen und Hoteliers, die durch ein Nicht-Verkaufen der Spieljochbahn weitere Umsatzeinbußen und Kapazitätsverlagerungen, zu Gunsten der benachbarten Orte und Schigebiete, befürchten.

Auf den Einwand von Friedl Heim (‚Kohler‘) bezüglich der weiteren Vorgangsweise für die vielen Kleinaktionäre, die seinerzeit Beteiligungen an der Bahn erworben hatten und teilweise immer noch entsprechende Anteile halten, entgegnete Bürgermeister Mainusch, dass dies im Verhandlungsgeschick jedes/jeder Einzelnen liege, hier bpsw. mit Heinz Schultz ein Einvernehmen herzustellen. Bei Verkaufswilligen sei es aber sicherlich ein Leichtes, auch einen potenten Käufer zu finden.

Ein wichtiger Einwand kam seitens Franz Dornauer (Hubertus), der das Verhandlungsteam rund um Mainusch, Anker und Zeller bzw. die Rechtsanwaltskanzlei Greiter, Pegger, Kofler & Partner (vgl. Bericht im BB) eindringlich davor mahnte, Vorsicht walten zu lassen, um zu Vermeiden, dass künftig Folgekosten für Gemeinde und TVB entstehen.

 

Welche Alternativen liegen derzeit auf dem Tisch

Wie zuvor erwähnt, hätte Heinz Schultz Interesse an einer Übernahme der Bahn. Bei der gestrigen Zusammenkunft war von einer konkreten Angebotssumme über 4,5 Mio. Euro die Rede, mit Schultz sei man deshalb auch bereits in Vorverhandlungen getreten.

Wichtige Eckpunkte, neben den oben erwähnten Investitionen, sind, dass gesamt rund 22.000 m² Grund verkauft werden sollen, Schultz garantiert den Sommerbetrieb der Spieljochbahn aufrecht zu erhalten. (Im Falle der Sanierung der Gondelbahn könnte dieser mittels Shuttelbus per Panoramabahn Geols erfolgen.) Außerdem sehe man im Moment keinerlei Bestrebung, am Parkplatz der Spieljochbahn ein weiteres Hotel zu errichten. Der Zusammenschluss zwischen Spieljoch (Bergstation Onkeljoch) und Hochzillertal könnte in etwa im Jahr 2020 oder 2021 erfolgen.

 

Eine weitere Alternative, die erst in den vergangenen Tagen an die Öffentlichkeit gelangte, ist eine Kapitalaufstockung der Hochfügener, eine etwaige Beteiligung der Familie Dengg (Hintertuxer Gletscher) und damit einhergehend eine mögliche Verbindung der Schigebiete bis nach Tux. Eine kolportierte Angebotssumme von 6 Mio Euro konnte gegenüber dem FügenBlog leider nicht bestätigt werden.

 

Der deutliche Unterschied, zwischen diesen beiden Interessenten ist die Konkretheit ihres Angebots. So hat Liftkaiser Heinz Schultz bereits sehr konkrete Pläne und Zukunftsvisionen vorgestellt, das Angebot seitens Hochfügen bzw. Dengg vermittelt eher einen ‚ad hoc‘-Charakter, befürchtet man durch einen Zusammenschluss von Spieljoch mit Hochzillertal enorme Umsatzeinbußen und den deutlichen Rückgang der im Abrechnungssystem bedeutenden sog. ‚Ersteintritte‘.

 

Was spricht gegen einen Verkauf der Spieljochbahn

Was gegen einen Verkauf spricht, ist die relative Überstürztheit der aktuellen Verhandlungen. Bereits 2019 sind alle Altlasten der Spieljochbahn getilgt, daraus ergäbe sich eine deutlich gestärkte Verhandlungsbasis für die bisherigen Merheitsanteilseigner. Zudem sei ein Zusammenschluss ohnehin erst 2020/21 realistisch, würden hier in den nächsten 2-3 Jahren vor dem Verkauf bereits entsprechende Vorarbeiten geleistet, könnte man vielleicht mit nur einem Jahr Verzögerung den selben Plan verfolgen.

Lt. Einschätzung von Insidern könnte der Speicherteich am Spieljoch durchaus heuer noch wie geplant erweitert werden, auch ohne zusätzliches Geld von ‚außen‘ im Sinne einer Fremdbeteiligung. Wenn die Mehrheitsanteilseigner (Gemeinde und TVB) dahinter stünden, und entsprechende Haftungen übernehmen würden, bräuchte kein Geld fließen, sondern man würde über Banken nur indirekt dafür garantieren. Selbiges ist natürlich ebenfalls nicht unproblematisch, da wie berichtet bereits die Haftungsübernahme für die jährliche Barvorlage der Spieljochbahn mit einigen Diskussionen einherging. (vgl. „Spieljochbahn – droht die Insolvenz?“)
Die Frage ist in diesem Zusammenhang auch, ob man hier nicht leichtsinnig die ‚Familienjuwelen‘ veräußert. Abermals werden hier Bürgermeister und Gemeinderat gefordert sein, eine nachhaltige Lösung zu finden. Ob ein schneller Verkauf die beste Lösung für Fügen ist, wird sich zeigen. Manch altgedienter Gemeinderat fände es in der jetzigen Situation besser, würden die MandatarInnen an dieser Stelle genügend Weitblick beweisen, und bereit sein, gegebenenfalls auch kurzfristig ein zusätzliches Risiko einzugehen, um langfristig das für die Gemeinde beste Ergebnis herauszuholen.

Natürlich mag es vor allem für den jungen Bürgermeister verlockend erscheinen, wenn er durch einen derartigen Verkauf kurzfristig ein deutlich höheres Budget und somit auch Geld für zusätzliche Investitionen zur Verfügung hat, doch hier sollte es weniger um ein persönliches Denkmal, als um das Wohl aller FügenerInnen gehen.
Dass ein Kaufvertrag – mit wem dieser schlussendlich auch immer Zustande kommen mag – zwar noch von den jeweiligen Gremien genehmigt werden muss, ist klar. Dabei handelt es sich praktisch aber nur noch um eine reine Formsache, da hier nicht zu erwarten ist, dass sich dagegen großer Widerstand formiert. Rein rechtlich wäre es natürlich interessant zu prüfen, ob nicht formal, da es sich hier gewissermaßen um öffentliches Eigentum handelt, eine Ausschreibung erforderlich ist.

 

 

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