B169 Teil 2 – Sichtweisen und Stellungnahmen

 Nachdem wir im ersten Teil zur Verkehrsproblematik an der B169 in bzw. um Fügen versucht haben, die verschiedenen Planungsvarianten zu resümieren, wollen wir hier im zweiten Teil die Sichtweisen und Stellungnahmen der Betroffenen darstellen.

Bereits aus dem Arbeitsübereinkommen zwischen den beiden Regierungsparteien (ÖVP und Grüne) der Tiroler Landesregierung für die Periode 2013-2018 wird der besagten Problematik Priorität eingeräumt:

In diesem Verständnis soll bei folgenden Verkehrsprojekten die Planung vorangetrieben bzw. die Umsetzung erfolgen:
B 169 Zillertalstraße, Fügen-Nord, Anschluss Hart i.Z., […]

Im Herbst 2015, also knapp vor der Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl im Winter 2016, war die Problematik in verschiedenen kommunalpolitischen Gremien und natürlich auch in der Bevölkerung Top-Thema. Der damals noch amtierende Bürgermeister Walter Höllwarth präsentierte in der letzten Gemeindevollversammlung unter seinem Vorsitz die neuesten Entwürfe und den aktuellen Planungsstand zum Thema Straße. (vgl. dazu Teil 1 zur B169)

So stehen Kommunalpolitiker zu den verschiedenen Straßenvarianten – vor der Wahl

Der alte Gemeinderat (Periode 2010-2016) hat sich in einer zusammenfassenden Stellungnahme des GR an den Bürgermeister bereits im Herbst 2014 dahingehend geäußert, dass die Unterflurtrasse der Hauptwunsch der gewählten MandatarInnen sei. Der Bau von zusätzlichen Spuren („vierspurige Autobahn“) bzw. einer Parallelstraße sei mehrheitlich nicht gewünscht.

Bürgermeister Höllwarth war diesbezüglich überzeugt, dass nicht nur die Umsetzung dieser Variante (Unterflurtrasse, teilweise abgesenkt) am realistischsten ist und den Erfordernissen und Wünschen zum einen der Entlastung des Verkehrs im Ortszentrum, zum anderen hinsichtlich der Einfahrt Fügen Nord, aber auch der Harter Zufahrt und den diversen Unteführungen (u.a. auch genutzt für Viehtrieb, Fußgänger, Radfahrer) am ehesten gerecht werde.

In der Gemeindevollversammlung warnte er außerdem davor, die Straße entlang des Zillers einzufordern. Damit gäbe es dann eine weitere Straße (und somit Quelle für Lärm, Abgase udgl.) durch das gesamte Gemeindgebiet; vor allem aber würde man dadurch das wertvolle Naherholungsgebiet entlang des Zillers zerstören.

Auch der ehemalige Fügener Vizebürgermeister Rudolf Kößler hat mehrfach öffentlich dazu gemahnt, nicht auf eine überregionale Lösung des Zillertaler Straßenproblems zu warten und plädierte außerdem stets für eine Grund sparende Lösung.

Wichtig sei hier vor allem auch, das Einvernehmen mit den Betroffenen herzustellen. In privater Hinsicht durch ihren persönlichen Lebensbereich besonders betroffen ist die Familie Zeller [Anm.: Sohn Manfred ist Gemeinderat und -vorstand], die im Falle der Realisierung der erwähnten Pläne einer Standortverlegung ihres Wohnhauses zustimmen müssten.

(vgl. dazu u.a.  TT.com – Zillertalstraße soll ohne Unterflurtrasse auskommen)

So stehen Kommunalpolitiker zu den verschiedenen Straßenvarianten – nach der Wahl

 Wie bereits im ersten Teil erwähnt, wurden im vergangenen Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlkampf verschiedenen Forderungen – u.a. nach einer Trassenverlegung an den Ziller laut.
Fügen’s neuer Bürgermeister Mag. Dominik Mainusch hat dem FügenBlog zum Thema Straße folgende Stellungnahme abgegeben:

„Das Land Tirol hat in den letzten Jahren eine Vielzahl an Varianten zur „Umfahrung Fügen“, zur Lösung der „Auffahrproblematik“ Fügen Nord, zur Anbindung von Hart an die B169 und zur Entlastung der Bundesstraße bzw. Reduktion der Stauhäufigkeit insgesamt entwickelt. Der erkennbare Trend geht dabei stets in Richtung Trassentausch – sprich Errichtung einer zusätzlichen Straße (neue Bundesstraße) ostseitig der Zillertalbahn und Abwertung der bestehenden B169 in eine Gemeindestraße.
Welche Variante bzw. wann eine deartige Umsetzung realistischerweise stattfinden kann, hängt von mehreren Faktoren ab. Einerseits gilt es nun im Gemeinderat eine erste Grundsatzentscheidung zu treffen. Zumal sich die Zusammensetzung des Gemeinderates eklatant geändert hat (11 neue GR), möchte ich der Willensbildung des Gemeinderates an dieser Stelle nicht vorgreifen. „

Lt. Bgm. Mainusch wurden bereits erste Gespräche mit den Zuständigen des Landes Tirol geführt. Resultierend aus den Erkenntnissen daraus würden in weiterer Folge die nächsten Verhandlungsschritte gesetzt. Ihm sei jedoch klar, dass die Umsetzung natürlich auch maßgeblich vom Einvernehmen mit den etwaig betroffenen Grundstückseigentümern abhänge.

Auch der neue Fügener Vizebürgermeister Mag. Oliver Anker betonte noch vor der Wahl gegenüber der Tiroler Tageszeitung („Nachhaltige Lösung für Verkehr auf der Zillertalstraße“) die Wichtigkeit einer langfristigen Lösung. „Doch bevor eine solche Lösung komme – ihm schwebe ebenfalls eine Trasse beim Ziller vor oder ein Tunnel von St. Gertraudi bis nach Stumm –, müsse man jetzt kurzfristig handeln. Es gelte die neuralgischen Punkte, wie die Einfahrt Nord, schnellstmöglich zu entschärfen. Die Anbindung nach Hart würde er über die Zufahrt zu Binderholz mit einer weiterführenden Straße entlang des Radweges zur Harter Brücke lösen. Zudem könne man eine dritte Spur an der Bundesstraße entlang Fügen einziehen, um Platz für Linksabbieger zu schaffen. Dies könne später zurückgebaut werden.“

Während Bürgermeister und Vizebürgermeister hier nun scheinbar an einem Strang ziehen, und eine gänzlich andere Variante favorisieren als ihre Amtsvorgänger, priorisieren einzelne Gemeinderäte eher punktuelle Lösungen. So äußerte sich beispielsweise Gemeinderat Alois Huber im Bezirksblatt dahingehend, dass er grundsätzliche Kritik gegen die einst geplante Parallelstraße übte. „Sie brauchen nur die einzelnen Punkte wie den Kreisverkehr Nord, die Unterführungen, die Ab- und Zufahrt zum Möbelhaus Wetscher und die Lkw-Zufahrt zum Recyclinghof umzusetzen. Das lässt sich alles machen, ohne sechs Hektar Grund zu verbrauchen“, so Alois Huber gegenüber dem Bezirksblatt weiter.

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So sehen betroffene Unternehmer die Problematik und die jeweiligen Lösungsansätze dazu

Neben den Meinungen der kommunalpolitischen Granden ist einerseits natürlich das Einvernehmen mit den betroffenen Grundstückseigentümern wichtig. Doch von noch viel zentralerer Bedeutung sind die dort ansässigen Betriebe, deren tägliches Brot eine gut funktionierende Anbindung an das lokale Wegenetz ist. Etliche profitieren an dieser Stelle von Laufkundschaft, für einige ist die direkte Anbindung an die B169 vor allem aus logistischen Gründen von enormer Bedeutung. Wie wichtig diese Betriebe für Fügen sind, die nicht nur Arbeitsplätze für die Lokalbevölkerung bereitstellen, sondern ohne deren Kommunalsteuern und anderen Abgaben das Gemeindebudget deutlich schmäler wäre, ist vermutlich allen LeserInnen an dieser Stelle klar. Dennoch sei erwähnt, dass mancher Betrieb sich seiner Stellung durchaus bewusst ist, und durch Einflussnahme von verschiedenster Seite hier in der Vergangenheit auch durchaus bereits Lösungsansätze in letzter Sekunde verhindert wurden.

Bestes Beispiel für derartige ‚unternehmerische Querulanz‘ ist die aktuell im Dorf kursierende Unterschriftenliste gegen eine Trassenverlegung östlich der B169 – an den Ziller, initiiert vom Seniorchef eines ortsansässigen Sportartikelhändlers.

Dass manche Unternehmer durch die (indirekte) Besetzung von Listenplätzen im Wahlkampf bereits im Vorfeld klar ihre Ziele definiert haben, sei an dieser Stelle nochmals in Erinnerung gerufen.

 Maximilian

Ein Fügener Traditionsunternehmen, das besonders von der Lösung der Verkehrsproblematik an der B169 betroffen ist, ist die Firma Möbel Wetscher. Geschäftsführer Ing. Martin Wetscher gibt in seiner Stellungnahme an den FügenBlog an, die ursprüngliche Unterflurtrasse aus verschiedensten Gründen abgelehnt zu haben. Bei dieser Lösungsvariante wären bei Wetscher nämlich nicht nur Grund und Boden, sondern auch gewerblich genutzte Gebäudeteile betroffen gewesen.

Für den Begleitweg, die ursprüngliche „Amtstrasse“ hätte es hingegen bereits eine schriftliche Vereinbarung zwischen Wetscher und der Gemeinde Fügen gegeben. Mittlerweile gäbe es aber auch andere Varianten, die für die Firma Wetscher durchaus vorstellbar seien. Das wichtigste für ihren Betrieb sei für Martin, Paul und Friedl Wetscher die ‚Sichtbarkeit, betriebliche Einheit und eine zumutbare Zufahrt‘.

Ergänzend dazu zeugt Martin Wetscher einmal mehr von Weitblick, wenn er feststellt, dass Autoverkehr in Zukunft nicht mehr als Lärm- und Abgasquelle gelten werde, wie das vergleichsweise heute noch der Fall ist.

Seiner Meinung nach brauche es – unabhängig von der Firma Möbel Wetscher – im Sinne der Entwicklung des Tales eine zweite Straße am Ziller. „Diese sollte einen Autobahnanschluss haben und zumindest bis zur Talmitte/Kaltenbach führen.“ Bis so ein Projekt realisiert sei, könnte man in Fügen beispielsweise beim Knoten Fügen Nord Verbesserungsmaßnahmen treffen, einen Begleitweg oder eine dritte Spur, ebenso wie eine Bahnhofsunterführung, und diverse Einfahrtsbereinigungen sowie Abbiegemöglichkeiten und dergleichen bauen. Alles andere wäre aus seiner Sicht Geldverschwendung.

 Hannes:

Gänzlich unterschiedlich sieht dies die Familie Steger. Deren Familienbetrieb, das Hotel Edelweiß – ebenfalls direkt an der Bundesstraße gelegen – baut im Restaurantbereich zu knapp einem Fünftel auf Laufkundschaft. Hotelier Johannes Steger, der von 2004-2016 Fügener Gemeinderat war und sich in dieser Funktion eingehend mit der Thematik befasst hat, schreibt in seiner Stellungnahme an den FügenBlog:

„Zuallererst möchte ich festhalten, dass Fügen, in meinen Augen, auf Grund seiner Lage Rückstaupunkt ist und nicht Stauverursacher und somit eine Parallelstraße das Problem niemals lösen wird können.
Der Anteil an Laufkundschaft macht bei unserem Betrieb ca. 10% aus, wobei durch die zunehmende Nutzung von Buchungsplattformen der Logisanteil daran rückläufig ist. Im Prinzip gibt es für uns nur 2 befriedigende und auch vernünftige Lösungen: Entweder Status quo, also direkte Anbindung an die B169 (mit Lösung der 3 bekannten Problemstellen), oder Lärm-, Sicht- und Immissionsschutz (durch Unterflur, abgesenkt oder Verlegung).“

M

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2 Gedanken zu “B169 Teil 2 – Sichtweisen und Stellungnahmen

  1. Interessante Formulierung: „Verlegung ins Naherholungsgebiet“. Ich dachte immer, das Zillertal wäre als Ganzes ein Erholungsgebiet! Stimmt mich nachdenklich und zeigt das Verkehrsproblem klar auf.

    Einen Fehler bei der Trassenverlegung zu machen kann passieren. Oder wurden Einzelinteressen vor Gesamtinteressen gestellt?
    Erschreckend ist es, wenn der Fehler dann über Jahrzehnte nicht eingestanden und korrigiert wird. Stattdessen wird weiter viel Geld ausgegeben und das Problem nur verschoben, obwohl der Stau den Fehler deutlich aufzeigt. Da lachen ja sogar die Schildbürger über das Zillertaler Verkehrskonzept. Aus meiner Sicht ist die einzige Lösung jene, die bereits vor rund 40 Jahren angedacht/projektiert war und endlich mutig umzusetzen ist. Konkret: Autobahnauf/abfahrt Münster und über Bruck-Hart nach Stumm – Unterflur, Tunnel bzw. mit nötigem Lärmschutz. Teilweise kann die bestehende Straße integriert oder rückgebaut werden. Bestehende B169 abwerten, damit das Naherholungsgebiet wieder zu den Menschen kommt!
    Zusätzlich beim öffentlichen Verkehr eine innovative und mutige Lösung werbewirksam umsetzen: Zillertal – das erste Tal der Welt mit kostenlosem öffentlichen Verkehr. Für alle – uneingeschränkt! Finanzierung: EU, Land, Bund, Gemeinde, Bergbahnen (Skibus), Ortstaxe, TVB. Vielleicht schon mit Elektro/Akkuantrieb von Bussen und Zügen. Endliche eine mutige Innovation, damit das Zillertal nicht primär mit „Staumeldungen für Aufmerksamkeit sorgt“, sondern mit einer echten und bahnbrechenden Innovation.
    Markus Gruber, IAK

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  2. Die Variante und Trassenverlegung beim Ziller ist die einzige und Beste Lösung für das Zillertal.Alles andere ist Geldverschwendung.Es geht um das Ganze Zillertal und nicht nur um Fügen.

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