B169 Teil 1 – Wie geht’s mit der Zillertalbundesstraße rund um Fügen weiter?

Wir wollen dem vielfach geäußerten Wunsch der FügenBlog – Leserschaft nachkommen, und über den Stand der Verkehrsplanungen rund um die B169 Zillertalbundesstraße bei Fügen berichten.

 

Viel und ausführlich wird bereits seit Jahren über mögliche Lösungen zur Verkehrsproblematik in und um Fügen diskutiert. Auch im vergangenen Gemeinderatswahlkampf war die Straße – wieder – eines der Top-Themen. Grund genug, um das Thema aufzugreifen, und eine breitere Öffentlichkeit vom Planungsgeschehen zu informieren!

Im ersten Teil der Reportage wollen wir einige der zur Diskussion stehenden Varianten und Projekte vorstellen. Dazu wurden von der Redaktion diverse Medienberichte (Gde Fügen, Planungsverband Zillertal, Tiroler Tageszeitunge, Bezirksblatt Schwaz) zusammengetragen, die hier nun in komprimierter Form präsentiert werden sollen.

Einführend soll an dieser Stelle nochmals erwähnt werden, dass im Fügener Gemeinderat (in der jeweiligen Zusammensetzung) schon seit Jahrzehnten (!) über eine Lösung für die bestehende Verkehrsproblematik diskutiert wird!

„Man kann es drehen und wenden wie man will – das Zillertal ist, speziell an Wochenenden, regelmäßig knapp vor dem Verkehrskollaps. Vor allem an den Samstagen ist für Einheimische kaum daran zu denken ins Auto zu steigen denn wer nicht stundenlang im Stau stehen will, sollte sich besser zu Fuß fortbewegen. Es ist der ganz normale Wahnsinn der sich in einem der tourismusintensivsten Gebiete Österreichs abspielt und eine Aussicht auf Besserung gibt es nicht.“

(Florian Haun, Bezirksblätter 2014)

 

Nachdem sich 2010 eine vorläufige Lösung abzeichnete, haben einige Fügener Landwirte und betroffene Grundstückseigentümer gegen ebendiese mobil gemacht. Und deren Kampagne mündet schließlich in der Tatsache, dass bei der Gemeinderatssitzung am 18. Juli 2011 die Beschlüsse bezüglich des Verkehrskonzeptes Fügen, der Begleitstraße B169, Einfahrt Nord und Harter Straße aus den Jahren 2005 und 2009 aufgehoben wurden.

Somit war man quasi wieder bei Null, und die Planungen mussten neuerdings beginnen. Dazu wurden auf verschiedensten politischen Ebenen entsprechende Diskussionen geführt, auch seitens des Planungsverbands Zillertal setzte man sich vehement für eine Lösung der Verkehrsproblematik an der Zillertalbundesstraße ein.

DI Architekt Thomas Scheitnagl nahm 2012 in einer Bestandsaufnahme zur Fortschreibung des örtlichen Raumordnungskonzepts in Fügen folgende Einschätzung vor:

„Die Planungen für die Bestandsverbesserung an der B169 konzentrieren sich derzeit im Wesentlichen auf den Bereich Fügen-Uderns, wo eine lokale Umfahrungstrasse, eine Verbessrung der Zufahrt nach Hart sowie ein Lückenschluss im bestehenden Begleitweg Ried-Uderns bis Rotholz geplant sind. Es ist jedoch klarzustellen, dass diese umfangreichen Projekte zwar dringend notwendig sind, jedoch keinesfalls den Anspruch erheben können, die Engpassprobleme des MIV im Zillertal zu lösen oder spürbar zu verringern.Die Realisierung dieses Projekts ist eine Grundvoraussetzung, um den Verkehrsfluss im notwendigen Mindestmaß aufrechterhalten zu können.“

Dass etwas getan werden musste, war zu diesem Zeitpunkt vermutlich allen Beteiligten klar. „Laut Christian Molzer, Vorstand der Abteilung Verkehr und Straße beim Land Tirol, habe man drei Straßenvarianten vorliegen. Dazu zählt das alte Projekt des Landes, das ab Fügen-Nord die Anbindung von Hart über einen Begleitweg vorsieht, sowie zwei weitere Planungen mit einer Umfahrungsstraße“ (TT.com)

 

Von Bürgermeister Höllwarth kam dann die Idee einer Unterflurtrasse, die im Rahmen einer Gemeindevollversammlung der Öffentlichkeit präsentiert wurde, und in der Bevölkerung regen Anklang fand. Seitens der Verantwortlichen des Landes wurde die Unterflurtrasse (u.a. aus Gründen der Finanzierbarkeit) entschieden abgelehnt.

 

Auf Grund dieser Trassenführung bei der nunmehr abgelehnten Unterflurtrasse entstand die Idee des Trassentausches mit einer abgesenkten Trassenführung und diversen Unterführungen (Fügen Nord, Bereich Zillerweg, Bereich Harterstraße, südlich des Bahnhofes).

Im Artikel im Bezirksblatt wird diese Variante wie folgt beschrieben:

„[…]wird man kurz vor der Zillertaltenne die Straße unterhalb der Bahntrasse in östliche Richtung durchziehen (keine Unterflurtrasse). Ungefähr auf Höhe des Spar-Geschäftes an der jetzigen B 169 würde die Straße abgesenkt was sich auch durch den natürlichen Verlauf des Geländes (Niveaunterschied) ergibt. Laut Bürgermeister Höllwarth wäre ein Lärmschutz in diesem Bereich kein Problem. Auf Höhe der Fa. Wetscher käme ein Linkgsabbieger nach Hart und die Straße verläuft weiter taleinwärts bis zum Kreuzungsbereich Binder Holz wo man in die bestehende Straße einmünden würde. Die jetzige B 169 würde im Zuge des Projektes zur Gemeindestraße umfunktioniert. „

Dies schien vor allem auf Grund der höchst diversen Interessenslagen der Anrainer als die beste Lösung. Vorteile hätte diese Variante auch für die örtlichen Landwirte mit ihrem Viehtrieb, und für Fußgänger, die in verschiedenen Höhenniveaus vom Bereich B169 in Richtung Naherholungsgebiet Ziller bzw. Richtung Dorfzentrum durchgeführt worden wären.

 

2016-06-15
öffentliche Gemeindeversammlung vom 12.11.2015

Bei der Variante alt würde die Straße ungefähr im Bereich des Areal’s Zillertal Tenne abgesenkt, und erst kurz vor dem Knoten Fügen Süd wieder in die bestehende B169 eingeschleift. (vgl. linke Bildhälfte, blau eingezeichnet)
Bei der neueren Variante würde ein Begleitweg östlich der Zillertalbahn gebaut, der teilweise abgesenkt wäre (siehe linke Bildhälfte, Variante rechts der B169, orange gekennzeichnet). Zudem wäre in dieser Variante die Anbindung nach Hart (per Linksabbieger auf Höhe der Firma Wetscher) optimal geregelt. (Details siehe Bild oben, rechte Bildhälfte)

Bei der letzten Variante wären also nur die Bereiche Fügen Nord und Fügen Süd unterführt, zudem würden die Unterführungen „Zillerweg“ und „Harter Straße“ ausgebaut.

Laut Christian Molzer, Vorstand der Abteilung Verkehr und Straße beim Land Tirol, gäbe es bei dieser Variante noch einige Schwierigkeiten zu beachten, es seien vor allem technische Probleme, die ihm Sorgen machten, „die durch mehrere Unterführungen, Bäche und den Grundwasserspiegel entstünden“. (TT.com)

In ebendiesem Artikel verweist Landeshautpmannstellvertreter Josef Geisler „auf Kosten von 70 bis 80 Mio. Euro. ‚Zudem wäre die Leistungsfähigkeit nicht gegeben, wenn durch die Tunnel Blockabfertigungen nötig wären‘, erklärt er. ‚Es gibt einen Grundsatzbeschluss seitens der Gemeinde Fügen, die Planungen für den genannten Trassentausch zu vertiefen. […] einige wollen den Verkehr vor der Haustür und andere nicht. Letztlich ist es unsere Aufgabe, für die Flüssigkeit des Verkehrs etwas zu tun‘, erklärt der Landeshauptmann-Stellvertreter.“

 

Im Wahlkampf zur diesjährigen Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl wurde seitens des nunmehr gewählten Bürgermeisterkandidaten Dominik Mainusch vor allem die Trassenverlegung weiter östlich, ins Naherholungsgebiet an den Ziller forciert. Leider gelang es der Redaktion des FügenBlog nicht, hierzu entsprechendes Bildmaterial zu beschaffen.

Bei dieser Variante wäre es allerdings realistisch, die bestehende ‚Dörferstraße‘ zwischen Bruck, Hart und Stumm auszubauen, um sie anschließend wieder in die jetzige B169 einzuschleifen. So ein ähnliches Projekt gab es vor einigen Jahren bereits, das wurde dann aber vor allem aus Umweltschutzgründen (Zillerauen) verworfen, bzw. zu Gunsten der Adaptierungen der B169 im Bereich Ried-Kaltenbach hintenangestellt.

Fest steht, dass eine derartige Trassenverlegung vermutlich nur dann zu einer ernsthaften Entlastung der lärm- und abgasgeplagten Anrainer führen kann, wenn es hierfür auch einen attraktiven Anschluss an das weitere Wegenetz (sprich konkret an die A12 Inntalautobahn) geben wird. Ob eine derartige Verlegung der Autobahn Zu- und Abfahrten zum/aus dem Zillertal überhaupt möglich ist, und wie es in Folge dessen mit bereits getätigten Investitionen wie z.B. dem Brettfalltunnel weitergeht, wird die Zukunft zeigen.

 

Am Sonntag im zweiten Teil zur B169: so sehen betroffene Unternehmer und führenden Kommunalpolitiker die Problematik an der Zillertalbundesstraße in Fügen.

 

 

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